Die Anwenderquote sichert den Vorsprung. Während 300 von 500 Millionen registrierten Nutzern von Google + dem Vernehmen nach tatsächlich auch Gebrauch davon machen, zählen die sozialen Netzwerke lediglich einen Anteil von 40%. Facebook hat nach wie vor die Nase vorn, bei Twitter ist nur jeder Fünfte älter als 30 Jahre, Google + nimmt zunehmend Fahrt auf und dürfte bald aufgeholt haben. Von den absoluten Zahlenwerten her noch stark unterlegen, spielen jedoch strategische Überlegungen die zentrale Rolle. Ein einflussreiches Profil steht den oft fragwürdigen Inhalten in Bezug auf erwünschte Wirksamkeit gegenüber. Was verspricht da mehr Erfolg auf der Ranking-Skala?

Zufallschance mit Zukunftsmusik

Es deutet einiges darauf hin, dass die Parallelität sozialer Signale mit herausragenden Platzierungen nur ein Zufallsergebnis ist und keine hinreichende oder gar notwendige Bedingung. Searchmetrics selbst meldet Zweifel an und gibt zu bedenken, dass richtungweisende Bewertungen vorerst nur Zukunftsmusik bleiben. Es ist einfach so, dass man den Fuß in der Tür haben muss, um nicht feststellen zu müssen, dass man auf das falsche Pferd gesetzt hat, solange man nicht so genau weiß, wohin der Hase läuft. Zurückhaltung im Engagement für Google + könnte bald fatale Folgen haben.

Hier zeigen sich die Agenturen den Unternehmen schon von Berufs wegen einen Schritt voraus. Während auf der einen Seite zwei Drittel noch zögern, scheint auf der anderen die Entscheidung bereits gefallen zu sein. Nicht einmal jeder Dritte der professionellen Vermarkter gibt sich derzeit noch bedeckt. Natürlich könnte dahinter auch die Absicht stecken, eine Unsicherheit zu verbergen, indem man sich diese Blöße nicht gibt, es könnte aber ebenso die realistischere Einschätzung der Situation widerspiegeln. Was ist, wenn die Bedeutung des Postens tatsächlich überschätzt wird und Google + die bald die Spitzenposition einnimmt, weil Facebook sich überholt hat? Neuere Wege sind immer zunächst interessanter, können aber auch ein Fundament schaffen, das nicht mehr aus dem Weg zu räumen ist. Solange das nicht klar ist, empfiehlt es sich, mehrgleisig zu fahren und die Entwicklung jederzeit weiter im Auge zu behalten.

Gezielt auf den Erfolg spekulieren

Wenn tatsächliche Kaufanreize nicht exakter als möglich eingestuft werden können, bleibt alles einigermaßen vage und dem Einfallsreichtum überlassen, mit Varianten zu spielen. Das einzugehende Risiko tendiert dabei, abgesehen vom Zeitaufwand, gegen Null. Dass dabei auch Schaden angerichtet werden könnte, hält auf der Agenturseite niemand für denkbar und in den Kreisen der Unternehmen nur eine verschwindend geringe Anzahl. Wohl tritt die Unentschlossenheit deutlich zutage. Gut die Hälfte derer, die es wissen müssten, glaubt nicht an die Zauberkräfte des alternativen Kanals.

Da kann im Grunde nur gewinnen, wer rechtzeitig die Initiative ergreift. Womöglich ist ja das Medium schlicht und ergreifend noch zu jung, um gesicherte Prognosen stellen zu können. Mit Sicherheit aber ist es vertreten und wartet nur darauf, nach allen Regeln der Kunst auf seinen Nutzwert hin ausprobiert zu werden. Gut beraten ist, wer die vorhandenen Möglichkeiten nutzt, um dabei neue zu erschließen. Kreativität ist gefragt mit geschultem Blick und sicherem Gespür für das Machbare.