Werbung interaktiv: Wer hätte sich nicht schon einmal gewünscht, seine Meinung deutlich zum Ausdruck zu bringen, wenn er mit einem Werbespot konfrontiert wird? Nicht nur im sozialen Kontext oder für sich allein, sondern dem gegenüber, der dafür verantwortlich ist. Eine faszinierende Idee, ihre Umsetzung aber scheint zum Scheitern verdammt zu sein. Die neuen Google Plus Post-Ads zielen auf Reichweite ab, was sicher ebenso verständlich wie vernünftig ist, die Frage ist nur, ob sie der Absicht auch gerecht werden können. Der Ausgangspunkt ist ein provokanter Post, dessen mühsam zusammengestrickte, mögliche Wirkung auch entsprechend ausgenutzt werden soll. Damit ist die Grundlage geschaffen für den Aufmerksamkeitswert, ohne den die einfallsreichste Werbung sang- und klanglos verhallt. Zweifelhaft ist jedoch, ob die angestrebte Reichweite mit den Kanälen der sozialen Netzwerke überhaupt erzeugt werden kann.

Google+ will werbefreudiger werden

Wenn von einer Million Nutzern vielleicht 100.000 erreicht werden, von denen nur wenige das Posting zur Kenntnis nehmen, hält sich die Schlagkraft der zugeschalteten Werbung doch sehr in Grenzen. Gegenbeispiele für erfolgreiches virales Marketing sind selten, die Interaktionsquote strebt generell eher gegen null. Die Werbung zur Initialzündung dafür werden zu lassen, dass der generierte Content zum Gesprächsthema mutiert, das funktioniert nur bedingt. Bislang hat sich das Medium der Werbefreudigkeit und auch der Nutzerfreundlichkeit vor allem entzogen, nun soll die Chance gegeben sein. Gerade die Feldversuche im engen Rahmen aber stehen bislang der Breitenwirkung entgegen. Noch lange nicht jeder hat vorerst Gelegenheit dazu, erste entscheidende Erfahrungen zu sammeln. Und ein zweites Hindernis ist die Exklusivität beim Aufwand für die verlockenden Angebote.

Das ist der fundamentale Unterschied zu Facebook. Hier kann jeder werben, der möchte. Da bleibt man doch lieber bei Google Adwords, wo ähnlicher Spielraum besteht, anstatt Etats aufzustellen und mit der Geduld des langen Atems langfristig zu planen. Der Zufallsfaktor spielt dabei eine zu große Rolle, kalkuliert werden kann damit nur, wenn Budgets zu verwalten sind. Wenn hier lediglich ein Klub gegründet werden soll, kann von einer Öffnung hin zur Werbewirtschaft tatsächlich keine Rede sein, eine womöglich revolutionäre Idee bleibt denen vorbehalten, die auf Erfolgsraten nicht unbedingt angewiesen sind. Es geht ja genau darum, etwas zu sagen, das die Leser bewegt, damit sie mit anderen reden, um die Sache ins Rollen zu bringen und für Umsatz an allen Fronten zu sorgen. Erreicht werden muss dieses Ziel jedoch weiterhin auf anderen Wegen, Google+ bleibt ein vorwiegend diskretes Medium, das sich der Massenwirkung verschließt – wenn sich nicht bald Grundlegendes ändert.